Die fränkische Wurst im Kühlfach

Frankfurter Neue Presse, 28.08.2008

 
Gemütliche Abende auf der Couch sind derzeit selten für Franziska, Eva und Peter Söllner. Katze Mimi komplettiert die Familie. Foto: Nietner
 

von Frank Weiner
Liederbach.
Die Bratwurst aus Hof liegt in der Tiefkühltruhe, das urige Landbier steht auf dem Tisch, und abends läuft häufig die Frankenchronik im Bayerischen Fernsehen statt HR-Hessen-Journal: Die fränkische Heimat der Familie Söllner ist in ihrem schmucken Reihenhäuschen noch immer allgegenwärtig. «Zu Hause sind wir aber mittlerweile hier», sagt Peter Söllner zufrieden. Seit 1990 lebt Eva Söllner, einzige Kandidatin für die Bürgermeisterwahl am 31. August, zusammen mit ihrem Mann in Liederbach. Tochter Franziska kam drei Jahre später zur Welt.


Dass sie in der kleinen Gemeinde sesshaft einmal werden würden, hätten die Söllners vor gut 20 Jahren nicht gedacht. «Bei der Suche nach einem Haus haben wir den ganzen Taunus kennengelernt», erinnert sich Peter Söllner. «Wir dachten aber auch, dass wir nach vier bis fünf Jahren wieder umziehen», ergänzt seine Frau. Dass es ganz anders kam, darüber ist die Familie glücklich, denn längst ist sie in Liederbach fest verwurzelt, schwärmt von der Lage zwischen Großstadt und Taunus, lobt die Infrastruktur im Ort und eine «intakte Gemeinde, wo das Leben untereinander gut funktioniert», wie Peter Söllner unterstreicht. «Inzwischen können noch so verlockende Immobilienangebote in der Zeitung stehen, für uns muss es Liederbach sein», sagt der 52-Jährige. «Wir haben das Gefühl, dass wir aufgenommen sind», ergänzt Eva Söllner.


So ist die CDU-Frau nicht nur Fraktionschefin und seit elf Jahren in der Gemeindevertretung, sie spielt zudem aktiv Tennis beim TC oder fiebert bei den Fußballern der SG Oberliederbach schon mal an der Seitenlinie mit. Ihr Mann lässt es etwas ruhiger angehen, schwingt sich gerne aufs Fahrrad und «sammelt» Kilometer in den Feldern rund um Liederbach. Die sportliche Familie komplettiert Tochter Franziska, die derzeit in zwei Tennis-Teams beim Krifteler TC spielt, an der Bischof-Neumann-Schule in Königstein, wo sie die 10. Klasse besucht, in zwei Formationen tanzt und ansonsten viel mit Freunden unterwegs ist. Bald geht es für die 14-Jährige für ein halbes Jahr in die USA, bevor das Abitur und ein Studium geplant sind.


Dass jetzt ihre Mama Karriere auf dem Chefsessel im Rathaus machen will, findet Franziska Söllner gut. Schließlich müsse ihr der Job Spaß machen und zudem sei sie ja auch «alt genug», fügt ihre Tochter lachend an. Wenn sich der Familienrat aber vor mehr als einem Jahr aber nicht einstimmig für eine Kandidatur von Eva Söllner angesprochen hätte, dann hätte sich die Union wohl woanders umsehen müssen. «Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht», sagt Peter Söllner, der nach seinem Maschinenbau-Studium heute als Leiter eines Entwicklungsbereiches bei Continental-Teves beruflich ebenfalls stark eingespannt ist. Es werde deutliche Veränderungen im Hause Söllner geben, doch sei der Bürgermeister-Posten für seine Frau der Richtige: «Ihr macht der Umgang mit Menschen Spaß. Das ist in diesem Beruf sehr wichtig. Und sie kennt Liederbach und die Sorgen der Bürger sehr gut.»


Umso wichtiger wird künftig die Freizeit in der Familie sein. Das fängt morgens mit einem gemeinsamen Frühstück und der Zeitungslektüre an und klingt mit dem gemeinsamen Abendessen aus. Die Söllners sehen sich selbst als «ganz normale Familie» mit «klassischer Rollenverteilung». Die Mama steht als Köchin ihre Frau und kümmert sich um die Rosenpflege im Garten, während der Papa als Mann vom Fach etwa für die Autos sowie das Rasenmähen zuständig ist. Beide lesen gerne und viel, können im Urlaub an der Ostsee so richtig abschalten und verwöhnen fleißig das vierte Familienmitglied – die getigerte Hauskatze Mimi. Für das Frühstück am Sonntag nehmen sie sich gerne ausgiebig Zeit, auch gemeinsame Shoppingtouren stehen gelegentlich auf dem Programm. «Und wir sprechen viel über tagesaktuelle Dinge», sagt Peter Söllner. Politisch liegen die Drei dabei auf einer Wellenlänge, ist doch Franziska stellvertretende Vorsitzende der Jungen Union Liederbach und Peter seit 2007 ebenfalls CDU-Parteimitglied. Keine Frage, dass vor allem ihr Mann im Wahlkampf oft an Eva Söllners Seite war oder bei Auf- und Abbau mit anpackte.


Zum ersten Mal über den Weg gelaufen sind sich Eva und Peter Söllner in ihrer fränkischen Heimatstadt Hof. Sie wollte vom Tennisplatz nach Hause, er hatte praktischerweise einen schnittigen Fiat Spider vor der Anlage geparkt. Auch wenn der Papa noch rechtzeitig kam, um seine 15 Jahre alte Tochter abzuholen, «haben wir uns nie mehr ganz aus den Augen verloren», sagt die 48-Jährige. Erst zehn Jahre später wurden beide ein Paar: Peter Söllner arbeitete schon in Frankfurt, war auf Heimatbesuch und schüttete seiner Bekannten in der Stammkneipe «Sumpfblume» in Hof versehentlich ein Weißbier über die Hose. 1988 war Hochzeit, und bis 1996 arbeitete Eva Söllner noch als Lektorin beim Suhrkamp Verlag. Studiert hatte sie zuvor Germanistik und Spanisch in Bamberg sowie Salamanca. In ihrer neuen Heimat haben sich die Söllners ihre fränkischen Tugenden stets bewahrt: Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit und Bodenständigkeit. (wein)
 

 

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