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| Gemütliche Abende auf der Couch sind derzeit selten für Franziska, Eva und Peter Söllner. Katze Mimi komplettiert die Familie. Foto: Nietner |
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von Frank Weiner
Liederbach. Die Bratwurst aus Hof liegt in der Tiefkühltruhe, das
urige Landbier steht auf dem Tisch, und abends läuft häufig die
Frankenchronik im Bayerischen Fernsehen statt HR-Hessen-Journal: Die
fränkische Heimat der Familie Söllner ist in ihrem schmucken
Reihenhäuschen noch immer allgegenwärtig. «Zu Hause sind wir aber
mittlerweile hier», sagt Peter Söllner zufrieden. Seit 1990 lebt Eva
Söllner, einzige Kandidatin für die Bürgermeisterwahl am 31. August,
zusammen mit ihrem Mann in Liederbach. Tochter Franziska kam drei Jahre
später zur Welt.
Dass sie in der kleinen Gemeinde sesshaft einmal werden würden, hätten
die Söllners vor gut 20 Jahren nicht gedacht. «Bei der Suche nach einem
Haus haben wir den ganzen Taunus kennengelernt», erinnert sich Peter
Söllner. «Wir dachten aber auch, dass wir nach vier bis fünf Jahren
wieder umziehen», ergänzt seine Frau. Dass es ganz anders kam, darüber
ist die Familie glücklich, denn längst ist sie in Liederbach fest
verwurzelt, schwärmt von der Lage zwischen Großstadt und Taunus, lobt
die Infrastruktur im Ort und eine «intakte Gemeinde, wo das Leben
untereinander gut funktioniert», wie Peter Söllner unterstreicht.
«Inzwischen können noch so verlockende Immobilienangebote in der Zeitung
stehen, für uns muss es Liederbach sein», sagt der 52-Jährige. «Wir
haben das Gefühl, dass wir aufgenommen sind», ergänzt Eva Söllner.
So ist die CDU-Frau nicht nur Fraktionschefin und seit elf Jahren in der
Gemeindevertretung, sie spielt zudem aktiv Tennis beim TC oder fiebert
bei den Fußballern der SG Oberliederbach schon mal an der Seitenlinie
mit. Ihr Mann lässt es etwas ruhiger angehen, schwingt sich gerne aufs
Fahrrad und «sammelt» Kilometer in den Feldern rund um Liederbach. Die
sportliche Familie komplettiert Tochter Franziska, die derzeit in zwei
Tennis-Teams beim Krifteler TC spielt, an der Bischof-Neumann-Schule in
Königstein, wo sie die 10. Klasse besucht, in zwei Formationen tanzt und
ansonsten viel mit Freunden unterwegs ist. Bald geht es für die
14-Jährige für ein halbes Jahr in die USA, bevor das Abitur und ein
Studium geplant sind.
Dass jetzt ihre Mama Karriere auf dem Chefsessel im Rathaus machen will,
findet Franziska Söllner gut. Schließlich müsse ihr der Job Spaß machen
und zudem sei sie ja auch «alt genug», fügt ihre Tochter lachend an.
Wenn sich der Familienrat aber vor mehr als einem Jahr aber nicht
einstimmig für eine Kandidatur von Eva Söllner angesprochen hätte, dann
hätte sich die Union wohl woanders umsehen müssen. «Wir haben uns die
Entscheidung nicht leicht gemacht», sagt Peter Söllner, der nach seinem
Maschinenbau-Studium heute als Leiter eines Entwicklungsbereiches bei
Continental-Teves beruflich ebenfalls stark eingespannt ist. Es werde
deutliche Veränderungen im Hause Söllner geben, doch sei der
Bürgermeister-Posten für seine Frau der Richtige: «Ihr macht der Umgang
mit Menschen Spaß. Das ist in diesem Beruf sehr wichtig. Und sie kennt
Liederbach und die Sorgen der Bürger sehr gut.»
Umso wichtiger wird künftig die Freizeit in der Familie sein. Das fängt
morgens mit einem gemeinsamen Frühstück und der Zeitungslektüre an und
klingt mit dem gemeinsamen Abendessen aus. Die Söllners sehen sich
selbst als «ganz normale Familie» mit «klassischer Rollenverteilung».
Die Mama steht als Köchin ihre Frau und kümmert sich um die Rosenpflege
im Garten, während der Papa als Mann vom Fach etwa für die Autos sowie
das Rasenmähen zuständig ist. Beide lesen gerne und viel, können im
Urlaub an der Ostsee so richtig abschalten und verwöhnen fleißig das
vierte Familienmitglied – die getigerte Hauskatze Mimi. Für das
Frühstück am Sonntag nehmen sie sich gerne ausgiebig Zeit, auch
gemeinsame Shoppingtouren stehen gelegentlich auf dem Programm. «Und wir
sprechen viel über tagesaktuelle Dinge», sagt Peter Söllner. Politisch
liegen die Drei dabei auf einer Wellenlänge, ist doch Franziska
stellvertretende Vorsitzende der Jungen Union Liederbach und Peter seit
2007 ebenfalls CDU-Parteimitglied. Keine Frage, dass vor allem ihr Mann
im Wahlkampf oft an Eva Söllners Seite war oder bei Auf- und Abbau mit
anpackte.
Zum ersten Mal über den Weg gelaufen sind sich Eva und Peter Söllner in
ihrer fränkischen Heimatstadt Hof. Sie wollte vom Tennisplatz nach
Hause, er hatte praktischerweise einen schnittigen Fiat Spider vor der
Anlage geparkt. Auch wenn der Papa noch rechtzeitig kam, um seine 15
Jahre alte Tochter abzuholen, «haben wir uns nie mehr ganz aus den Augen
verloren», sagt die 48-Jährige. Erst zehn Jahre später wurden beide ein
Paar: Peter Söllner arbeitete schon in Frankfurt, war auf Heimatbesuch
und schüttete seiner Bekannten in der Stammkneipe «Sumpfblume» in Hof
versehentlich ein Weißbier über die Hose. 1988 war Hochzeit, und bis
1996 arbeitete Eva Söllner noch als Lektorin beim Suhrkamp Verlag.
Studiert hatte sie zuvor Germanistik und Spanisch in Bamberg sowie
Salamanca. In ihrer neuen Heimat haben sich die Söllners ihre
fränkischen Tugenden stets bewahrt: Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit und
Bodenständigkeit. (wein)