Letztere hat es in den vergangenen Wochen in Liederbach nicht gegeben.
Eva Söller ist alleine auf Wahlwerbetour durch die Gemeinde gegangen,
hat Bürger "Auf ein Bier" eingeladen, an Haustüren Lesezeichen,
Bleistifte und Schoppendeckel verteilt. So gut wie überall sei sie sehr
freundlich empfangen worden, sagt Eva Söllner. Den einen oder anderen
hat sie, glaubt sie, auch davon überzeugt, von seinem Wahlrecht Gebrauch
zu machen, obwohl er am Sonntag gar keine Wahl im eigentlichen Sinn hat.
Eva Söllners Lebenslauf ist rasch erzählt: 1960 im fränkischen Hof
geboren, nach Schule und Studium der Germanistik und Hispanistik erste
Anstellung beim Frankfurter Suhrkamp Verlag. Eva Söllner dient sich von
der Sekretärin bis zur Lektorin für spanische und lateinamerikanische
Literatur hoch, schreibt ein Buch über Rilke in Spanien. 1988 heiratet
sie ihren Mann Peter und zieht nach Liederbach, 1993 kommt Tochter
Franziska zur Welt. Eva Söllner gibt ihren gut dotierten Verlagsjob auf
und arbeitet ab 1996 als freiberufliche Lektorin. Dass sie, wenn sie zum
1. Januar auf dem Chefsessel im Liederbacher Rathaus Platz nimmt,
keinerlei Verwaltungserfahrung mitbringt, daraus macht Eva Söllner
keinen Hehl. Dass die Latte für sie als Quereinsteigerin zu hoch liegt,
glaubt sie aber nicht. "Der Gesetzgeber hätte es wohl zwingend
vorgesehen, wenn eine Bürgermeisterin unbedingt Verwaltungserfahrung
bräuchte", sagt sie pragmatisch. Mit gesundem Menschenverstand will sie
die 62 Rathausmitarbeiter künftig führen.
Kein Wahlprogramm
In der Liederbacher Kommunalpolitik fühlt sich Eva Söllner sattelfest.
Seit 1997 ist sie Mitglied der Gemeindevertretung. Seit acht Jahren
engagiert sie sich in der CDU, 2006 wurde sie Fraktionsvorsitzende,
leitet den Haupt- und Finanzausschuss und ist Mitglied im Vorstand der
kommunalpolitischen Vereinigung Main-Taunus.
Dass mit der Umstellung des Liederbacher Haushalts von der Kameralistik
auf die Doppik eine Menge Arbeit auf die Verwaltungsspitze zukommt, weiß
Eva Söllner. Familienfreundlichkeit, Freizeitwert und das Miteinander
aller Generationen sind weitere Stichworte, die in ihrer 14-seitigen
Wahlbroschüre zu lesen sind. Ein ausführliches Programm für die nächsten
Jahre hat die CDU-Kandidatin nicht zusammengestellt. "Ich trete erst mal
mein neues Amt an und gehe einen Schritt nach dem anderen", sagt sie.
"Da wird sich vieles finden."